Fernsehbeitrag für 3Sat-Ländermagazin

Zweimal im Jahr wird das 3Sat-Ländermagazin vom MDR-Landesfunkhaus Thüringen produziert. Die Oktober-Ausgabe (20.10. um 14.30 Uhr) hatte als Thema die Thüringer Fürstentümer. Daniel Baumbach lieferte zur Sendung einen 4.30-Beitrag zu den Kunstsammlungen in Schloß Fiedenstein in Gotha. Thematisch ging es auch um Provenienzforschung und Rückgabe von Beutekunst.

Hier ist der Originaltext:

Eines der wertvollsten Stücke in den Sammlungen auf Friedenstein: Der barocke Prunkelefant des Dresdner Hofgoldschmieds Johann Melchior Dinglinger. Ein exotisches Fabeltier aus Silber, geschmückt mit Smaragden und Diamanten. In der Kunstkammer des Schlosses wird er den Besuchern präsentiert – wie Dutzende anderer kunsthandwerkliche Kostbarkeiten. Eine Pracht as Gold, Silber und Bernstein, der sich Besucher nicht entziehen können.

Besucherinnen

Frau 1: Ich bin unheimlich beeindruckt, was einzelne Fürstenhäuser gesammelt haben. Dass das über Jahre hinweg erhalten worden ist, das fasziniert mich.

Frau 2: Diese feine Ziselierung, der Umgang mit Elfenbein ist fantastisch. Also, großartig, empfehlenswert.

Dass viele dieser Schätze überhaupt besichtigt werden können, verdankt die Nachwelt der Akribie der Gothaer Herzöge. In historischen Inventarbüchern haben sie in den vergangenen Jahrhunderten jedes einzelne Sammlungsstück verzeichnen lassen, das nach Gotha kam. Bis heute gibt es diese dicken Bücher – ein großes Glück. Denn sie beweisen, dass die Stücke immer Besitz der Sammlungen waren – vor allem die, die in den Wirren der Kriegs- und Nachkriegszeit abhanden gekommen waren.

Beispielsweise die Schale des Zürcher Glasmalers Sprüngli. Im 17. Jahrhundert hatte er die Venus und zwei Putti auf Pergament gemalt und auf Glas geklebt. Eine komplizierte Technik, die die Schale so wertvoll macht. Erstmals wurde sie 1721 in einem Inventarbuch erwähnt – als ein Geschenk des Markgrafen von Durlach an den Gothaer Herzog. Weil es diesen Eintrag gibt, konnten die Gothaer Museumsmacher die Sprüngli-Schale nach der Wende in einer Verlustdokumentation aufführen. Und siehe da: 2002 tauchte sie in einer Versteigerung bei Sothebys in Amsterdam wieder auf. Ein Londoner Händler kannte die Dokumentation und meldete sich in Gotha.

Ute Däberitz, Stiftung Schloß Friedenstein

In den Niederlanden ist die Gesetzgebung anders als bei uns in Deutschland. Da gibt es keine Verjährungsfrist von Kunstdiebstahlsdelikten nach 30 Jahren wie bei uns in Deutschland. Und der Einlieferer hat sich dann aber sehr schnell bereit erklärt, das Objekt nach Gotha zurückzugeben, ohne, dass Geld fließen musste.

Keine Sammlung in Mitteldeutschland ist vom Thema Beutekunst so stark betroffen, wie die Gothaer. Insofern spüren die Museumsmacher bis heute den Kunstwerken hinterher und versuchen in komplizierten Verhandlungen, die Stücke zurückzubekommen. Obwohl nur ein Drittel der ursprünglichen Sammlungstücke wieder da ist, braucht die Stiftung Friedenstein Platz, um alle zu zeigen.

Ute Däberitz, Stiftung Schloß Friedenstein

In der Kunstkammer wurde alles gesammelt, das gesamte Wissen der damaligen Welt, auch Objekte auch fernen Ländern.

Weil schon im 19. Jahrhundert das Schloss zu klein war, wurde 1879 das Herzogliche Museum eröffnet – als Tempel der Kunst. Die Wiedereröffnung dann nach umfangreichen Sanierungsarbeiten vor fünf Jahren. Hier finden Wechselausstellungen mit den Werken aus den Sammlungen statt – eine wahre Fundgrube für Kunstliebhaber.

 

Marco Karthe, Stiftung Schloß Friedenstein

Auch der jetzige Hausschef, Prinz Andreas von Sachsen-Coburg-Gotha, ist ein glühender Verehrer des Herzoglichen Museums. Jeder Besucher wird hierher geschickt. Und wir hoffen, dass er noch ganz viele hierher schickt. Und somit immer wieder Königshäuser nach Gotha kommen und Dinge erleben, Feiern erleben. Das ist uns immer wieder eine große Freude.

Immer wieder finden sich in den Depots auch Prunkstücke, die in Vergessenheit geraten sind. Dieser über drei Meter lange Seidenschal wurde erst kürzlich in alten Inventarlisten wiederentdeckt. In den stiftungseigenen Werkstätten wird er aufbereitet für eine Sonderschau, die in wenigen Tagen eröffnet werden soll. Thema: die Afrika-Expedition von Herzog Ernst dem 2.

Der Fernsehautor

Daniel Baumbach ist Diplom-Journalist und ausgebildeter Zeitungsredakteur. Seit 22 Jahren arbeitet er als freier Journalist hauptsächlich für den Mitteldeutschen Rundfunk (MDR). Mit seinem Label „Medienspezialist“ ist der Erfurter außerdem bundesweit als Produzent von Image-Filmen und Dokumentationen, Medientrainer, Moderator sowie Unternehmensberater tätig (Qualifikation und Berufspraxis).

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