Sinnbetontes und lebendiges Texten

Jeder, der schon mal einen Text für einen Podcast oder ein Video vertont hat, der kennt das Problem: Schriftsprache ist nicht gleich Sprechsprache. Und ein gesprochener bzw. abgelesener Text klingt nie so, wie gerade überlegt und aus dem Mund gepurzelt. Eher hölzern, steif und irgendwie unecht. Man hört halt, dass er nicht frei gesprochen wird. Wer kein Schauspieler oder ausgebildeter Sprecher ist, der wird das wohl auch nie perfekt beherrschen. Aber man kann das Vorlesen durchaus optimieren und für Zuhörer spannender machen. Denn richtige Betonung ist keine große Kunst – wenn man als Sprecher/Vorleser ein paar Regeln beachtet.

Schreiben fürs Sprechen

Schon beim Schreiben eines Textes sollten Sie sich immer in Erinnerung rufen: Das ist ein Text, den ich nicht als Email verschicken, sondern laut vorlesen will! Heißt: Sprechen Sie den Text – schon während er entsteht – leise vor sich hin. Ganz egal, was Ihre Kollegen oder Ihre Kinder denken! Jeder Sprech-Profi macht das so. Schaffen Sie es, die Worte in dieser Reihenfolge unfallfrei zu sprechen, dann ist das schon mal ein Indiz für einen Sprechtext. 

Ein guter Satz zum Sprechen ist außerdem: kurz. Maximal 17 Worte sagen Profis. Besser sind vielleicht 15. Aber es macht auch nichts, wenn es mal 20 sind. Oft lassen sich Fakten nicht so auf den Punkt bringen. Da sollte man sich nicht sklavisch dran halten. Auf jeden Fall sollten es keine Schachtelsätze sein mit diversen Einschüben. Einfache und klare Hauptsätze sind besser – zum Sprechen, aber auch zum Verstehen für die Zuhörer. Denn darum sollte es ja vor aller Kreativität gehen: verständlich sein.

Gesprochene Sätze brauchen auch nicht immer zwingend ein Verb. Denn im normalen Leben sind wir meist maulfaul und sagen eher:

„Glück gehabt, dachte ich:“ Als: „Da habe ich Glück gehabt, dachte ich.“

Oder auch:

„Eine der schönsten Nebensachen der Welt – und eine der gefährlichsten: Motorrad fahren.“

Statt: „Es ist eine der schönsten Nebensachen der Welt und eine der gefährlichsten: Motorrad fahren.“

Wenn ein Verb verwendet wird, muss es nicht immer am Satzende stehen. Mittendrin spricht es sich natürlicher:

„Auf jeden Fall sollten es keine Schachtelsätze sein mit diversen Einschüben“

Statt: „Auf jeden Fall sollten es keine Schachtelsätze mit diversen Einschüben sein.“

Sinnbetontes Lesen

Damit ein Satz nicht überbetont wird, gibt es eine Faustregel: In einem Sinnzusammenhang wird immer nur ein Wort betont! Und ein Sinnzusammenhang ist ein Hauptsatz, alles zwischen zwei Kommas oder vor und nach „und“ bzw. „sowie“. Das eine Wort, das in diesem Sinnzusammenhang betont wird, muss allerdings auch Sinn machen. Anfänger haben meist eine Satzendbetonung. Sie betonen immer das letzte Wort vorm Punkt. Nur in seltenen Fällen ist das richtig.

Beispiel: Im folgenden Satz das „sein“ am Satzende zu betonen, wäre falsch. Auf „friedlich“ muss die Betonung liegen oder auf optimal, je nach dem, was man sagen will.

„Das optimale Bienenvolk muss friedlich sein.“ 

Damit sind wir bei einer weiteren Regel. Oft gibt es zwei oder drei Betonungsmöglichkeiten in einem Satz. Sie müssen sich für die entscheiden, die die Intention Ihres Satzes unterstreicht.

„Geschlechtsreifen Drohnen wird das letzte Tröpfchen Sperma entnommen.“

In diesem Satz können sowohl „letzte“, „Tröpfchen“ oder „Sperma“ betont werden. Sie als Sprecher müssen sich entscheiden, welches der drei Worte sie betonen wollen. Geht es Ihnen und die Anzahl, dann „letzte“. Gehts es Ihnen um die Maßeinheit, dann „Tröpfchen“. Und wollen sie sagen, dass Drohnen auch Samen haben, dann „Sperma“. Diese Entscheidung sollte vor dem Sprechen getroffen oder beim Sprechen ausprobiert werden. Alle drei Betonungsvarianten sind richtig.

Der Medientrainer

Medienspezialist Daniel Baumbach gibt seit Jahren Medientrainings und Seminare (Leistungen). Der Erfurter ist von der Steinbeis-Hochschule Berlin zertifizierter Medientrainer (Certified Media Trainer) und nach DVWO-Standards ausgebildeter Trainer. Daniel Baumbach ist Mitglied im Bundesverband der Medientrainer in Deutschland (Trainerprofil), der sich für qualitativ hochwertige und nachhaltige Medientrainings einsetzt (BMTD).

Durch seine mittlerweile 20jährige freie Tätigkeit beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) als Reporter, Autor, Moderator und Nachrichtenredakteur hat er einen großen Erfahrungsschatz im aktuellen Fernsehbereich, den er in seinen Medientrainings einbringt (Berufspraxis). Als ausgebildeter Zeitungsredakteur und diplomierter Journalist hat Daniel Baumbach das Journalistenhandwerk von der Pike auf gelernt (Qualifikation).

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